Category Archives: TheaterKunst

Rede zum Diplom 2017

Rede zum Diplom 2017

Abgesehen davon, dass dieser Anlass in seiner fröhlichen Wiederkehr wieder und wieder Jugend feiert, also Euch und damit besonders deren, also Euer, Recht und Pflicht, Alles anders zu machen, wirklich Alles, weil wir, die Euch feiern viel zu viel zugelassen haben, was nicht gut, was absehbar und nicht absehbar schlecht und verderblich geworden ist und die Welt dem Abgrund,   hat zutaumeln lassen, abgesehen also von der Feier der Jugend, feiern wir heute einen Lebensabschnitt der Organisation: ein neuer Studiengang entlässt seine ersten Ge-Schöpfe, Schöpfungen, Schöpferinnen und Schöpfer, Tänzerinnen und Tänzer, weitere Bewohnerinnen und Bewohner jenes Zwischenreichs zwischen Himmel und Erde, das ihnen und den Wolken gehört, wie das einmal ein poetisch gestimmter Mensch formuliert hat. Continue reading

Rede zum Diplom 2016

Liebe Diplomandinnen und Diplomanden,

Liebe Eltern und Freunde und liebe Dozierende

Es ist Juni und wieder wie jedes Jahr ziehen wir die Linie  zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Heute und Morgen und – wie Rainald Goetz das in seiner Rede zur Entgegennahme des Büchnerpreises 2015 ausgeführt hat,  – zwischen Alter und Jugend.
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Rede zum Diplom 2015

Liebe Diplomandinnen und Diplomanden, liebe Eltern, liebe Kolleginnen und Kollegen,

Das Drinnen und das Draussen
Inside Out

(Diplomvergabe, heute, beginnen muss ich mit einer Entschuldigung. Um Verzeihung bitten, um Nachsicht, um Gnade, Vergebung? Aus der Vergabe wird eine Bitte um Vergebung.
 Wir vergeben Diplome ohne Diplome. Diese sind, wie ihr im Vorfeld erfahren habt, aufgrund eines verwaltungstechnischen Fehlers nicht fertig gedruckt. Peinlich und eigentlich nicht zu rechtfertigen. Welche Aktion kann man aus diesem Fehler machen? 
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Rede zum Diplom 2014

Spielen: Gerätelosigkeit_Erzählen über/ von
1. You can’t exist in a vacuum, you are rooted in time
2. Artistic Activity can hardly be thought of as anything but a “debate with existing reality”
Sigmar Polke
Von der Vergangenkeitsbewältigung zur Zukunftsbewältigung
Wieder bereichern wir mit Euch, ihr mit Hilfe der Dozierenden, all derer, die hier für Euch und Eure Angelegenheiten arbeiten, die Welt und deren zukünftige Entwicklung. Ihr seid Morgen, sagen die Bachelorabsolventen Schauspiel in ihrem Abschlussprojekt.Ihr seid die Zukunft, das Zukünftige, eine Hoffnung . Ein Meister aus dem 16.Jahrhundert stellt das Hoffen, aus dem Hoffnung wird, als ein Tun, eine anstrengende? absurde? Arbeit dar.
(Bild: Hoffen heisst: Wolken ziehen wollen). Continue reading

Was ist ein Beruf

Der Chicagoer Soziologe Andrew Abbott hat vor mehr als zwanzig Jahren die maßgebliche Studie über Berufe mit Zugangsbeschränkung publiziert ( The Systems of Professions”, Chicago University Press 1988). Darin vertritt er die These, dass man die Geschichte eines Berufsbildes nur schreiben kann, wenn man die Geschichte der benachbarten Berufe einbezieht. Ein Beruf bestehe nämlich nicht aus festen Merkmalen, sondern entstehe durch Kämpfe um Zuständigkeiten.
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Entdramatisierung der Bühne

Entdramatisierung des theatralen Raums in Peter Handkes „Die Stunde da wir nichts voneinander wussten“

Einleitung:

Peter Handke hat mit seiner subjektiven Sicht auf das Theater und seine Möglichkeiten vom Beginn seiner dichterischen Tätigkeit an einen Raum beschrieben, der sich der Aufgabe stellt die Wirklichkeit zu steigern. „In diesem Zeitraum war ständige Gegenwart, ständige Allerwelt, ständige Bewohntheit.“

Damit setzt sich Handke in Bezug zu den Erneuerern des Theaters und des theatralen Raums, die im 20.Jahrhundert die Bühne zu einem Kunstraum machten (Craig, Appia, Schlemmer, Kantor, Wilson). Die Bühne als Medium zur Transformation der Realität in eine verdichtete, zweite Realität führt zu einer Redefinition der Aufgabenstellung des Spiels, sowie der Spielerinnen und Spieler: Der Raum wird zu einem ausgesprochenen Partner, einer Art Erzählfläche für die Spieler. Continue reading